Seit 1922 steht Hugos Backstube für echtes Handwerk. Heute führen Steffen und Katrin Angrick die Familientradition weiter – mit Handwerk, Herz und feinen Ideen.
Bei Hugos Backstube duftet es seit mehr als 100 Jahren nach Handwerk und Familie. 1922 eröffnete Hugo Gerlach senior sein erstes Geschäft in Scherlebeck, 1962 führte sein Sohn Hugo Gerlach junior die Tradition auf der Langehegge weiter. Später übernahmen Renate Gerlach und Jörg Angrick den Betrieb – heute wachsen Katrin und Steffen Angrick in die Verantwortung hinein.
Dass sie einmal hier landen würden, war nicht ausgemacht. Steffen studierte zunächst Physik, orientierte sich aber um und fand schließlich seinen Platz im elterlichen Betrieb. Heute ist er Konditormeister und unter anderem für die preisgekrönten Pralinen zuständig. Auch seine Schwester Katrin machte einen Umweg: Sie ist gelernte Hotelfachfrau, arbeitete unter anderem auf Sylt bei Jörg Müller und ist heute vor allem im Verkauf präsent.
Aus der klassischen Stadtbäckerei ist in den vergangenen Jahren ein Betrieb geworden, der bewusst auf Qualität statt Masse setzt. „Wir müssen uns abheben“, sagt Katrin Angrick. Preislich komme man gegen günstige Massenware als Handwerksbetrieb nicht an, also gehe es um bessere Zutaten, mehr Sorgfalt und Produkte mit Charakter.
Qualität, die schmeckt
In Hugos Backstube entsteht alles Essbare im eigenen Haus. Pralinen, Törtchen, Backwaren und süße Kleinigkeiten werden möglichst natürlich und ohne unnötige Zusatzstoffe hergestellt. Für Steffen Angrick ist Schokolade kein Nebenbei-Produkt, sondern etwas Wertvolles.
Auch Regionalität spielt eine wichtige Rolle. Das Mehl kommt aus Recklinghausen, Milch von Bauern aus der Umgebung, Erdbeeren von Schulte-Scherlebeck. „Nur die Vanille können wir nicht aus dem Vest bekommen“, grinst Steffen. Diese kommt aus Madagaskar, wo sie die Qualität hat, die er für seine Patisserie braucht.
Gleichzeitig bleibt der Blick offen für neue Ideen. Alte Rezepte treffen auf moderne Impulse. „Klau mit den Augen“, habe sein Vater immer gesagt, erzählt Steffen. Inspiration findet er in Fachbüchern, im Urlaub, in guten Cafés, in Paris oder London und im eigenen Team.
Tradition trifft Törtchen
Vor vier Jahren wurde der Betrieb umgebaut und das Café eröffnet. Das moderne und doch gemütliche Design stammt komplett von der Familie selbst. Besonders beliebt sind heute die 17 verschiedenen Törtchensorten. Auch die ausgezeichneten Pralinen sorgen dafür, dass Menschen nicht nur aus Marl, sondern auch aus Herten, Dorsten und der weiteren Umgebung kommen.
Dabei denkt Hugos Backstube auch an unterschiedliche Bedürfnisse: Vegane Angebote wie Rüblitorte gehören mittlerweile dazu. Für muslimische Kundinnen und Kunden hat die Familie ebenfalls mitgedacht und auf Rindergelatine umgestellt.
Rund 15 Menschen gehören zum Team. In der Backstube arbeiten neben Steffen eine langjährige Gesellin, drei Auszubildende und die Eltern mit. Im Verkauf prägen zusammen mit Katrin erfahrene Mitarbeiterinnen den Alltag. Die Zukunft soll nicht lauter, größer oder schneller werden, sondern schlicht noch besser. Die Geschwister wollen Neues ausprobieren und zugleich dem treu bleiben, was Hugos Backstube seit 1922 trägt: Familie, Handwerk und der Anspruch, aus guten Zutaten etwas Besonderes zu machen.