Der noch junge Verein Abenteuerferien Marl e. V. sichert bezahlbare Angebote, setzt auf Bildung und investiert den Vest-Future-Gewinn direkt in die nächste Freizeit.
In Marl wird es für Familien zunehmend schwieriger, passende Ferienangebote zu finden. Busse werden teurer, Betreuung rarer, und manche Freizeiten verschwinden ganz aus dem Kalender. Genau hier setzt Abenteuerferien Marl e. V. an. Der junge Verein möchte Angebote sichern, bevor sie endgültig wegfallen.
Fest verankert in der Jugendarbeit
Jörg Zahlmann, fast 30 Jahre Vorsitzender des Stadtjugendrings, kennt den Rückgang der Jugendarbeit aus nächster Nähe.
„Gerade Ferienfreizeiten werden seltener. Also haben wir gesagt: Wir machen was Eigenes.“
Vor gut einem Jahr gründete er den Verein gemeinsam mit zehn engagierten Pädagoginnen und Pädagogen – mit dem Anspruch, Freizeiten, Bildungsprogramme und Ausflüge für die Marler Jugend zu organisieren.
Die Betreuerinnen und Betreuer brauchen heute zahlreiche Pflichtnachweise: Erste-Hilfe-Kurse, erweitertes Führungszeugnis, Rettungsschwimmerabzeichen, Hygieneschulungen.
„Das Engagement ist groß, aber es kostet natürlich auch Geld“, sagt Laura Laake, stellvertretende Vorsitzende.
Mit Vest Future in die Zukunft
Umso wichtiger war der zweite Platz bei Vest Future. Die 5.000 Euro Preisgeld fließen vor allem in eine Kinderfreizeit auf Ameland.
„Häuser müssen oft zwei Jahre vorher angemietet werden – inklusive hoher Anzahlungen“, erklärt Tim Baumeister, Kassenwart des Vereins. Abenteuerferien Marl e. V. übernahm die Vorfinanzierung und ermöglicht so, dass die Kinder 2026 für 555 Euro zwei Wochen Urlaub machen können – bewusst unter 600 Euro, damit auch Familien mit kleinerem Budget teilnehmen können.
Damit andere Vereine von ihren Erfahrungen profitieren können, halten die drei Verantwortlichen fest, was beim Vest-Future-Wettbewerb zählt: ein verlässliches Kernteam, klare Ziele und ein starkes Netzwerk. Besonders wichtig bei der Stimmenabgabe sind die sogenannten Booster – kurze Phasen, in denen Stimmen besonders viel zählen.
„Wer die verpasst, verliert schnell den Anschluss“, sagt Zahlmann. Und am Ende brauche es vor allem Ausdauer:
„Man nervt zwangsläufig Leute. Aber ohne Hartnäckigkeit hat man keine Chance.“
Von Anfang an dabei
Alle drei Verantwortlichen kennen Ferienfreizeiten nicht nur aus pädagogischer Perspektive. Zahlmann, Laake und Baumeister sind selbst als Kinder mitgefahren und haben die besondere Dynamik erlebt, die dabei entsteht. Aus Teilnehmenden wurden Ehrenamtliche, später Mitarbeitende – und schließlich Menschen, die Jugendarbeit in Marl aktiv mitgestalten.
Sie waren in zahlreichen Projekten der Stadt engagiert; mit Abenteuerferien Marl e. V. bündeln sie ihre Erfahrung nun in einem gemeinnützigen Verein.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die außerschulische Bildung. 2025 starten Angebote zu Demokratiebildung, Gewaltprävention und Spurensuche in Marl. Ein langfristiges Projekt wird 2029 die Wanderausstellung Deine Anne sein, die der Verein gemeinsam mit dem Anne-Frank-Zentrum nach Marl holt.
Warum sie diesen Aufwand betreiben? Weil Freizeiten Kinder verändern.
„Sie kommen als andere Menschen zurück“, sagt Baumeister. Oft werden aus ihnen später selbst Ehrenamtliche – ein Kreislauf, der die Jugendarbeit in Marl lebendig hält.