Zwischen Barf-Glaubenskrieg, Discounterfutter und Hundeeis zeigt Sabrina Kahlhoff, worauf es bei Hundeernährung wirklich ankommt.
Wer über Hundeernährung spricht, landet fast immer beim Menschen. Bei Trends, Versprechen, Etiketten, Ideologien und der Frage, ob das, was gut klingt, auch wirklich gut ist. Sabrina Kahlhoff kennt diese Debatten. Sie arbeitet seit knapp 20 Jahren mit Hunden, unter anderem als Ernährungsberaterin, Trainerin und Therapeutin, also im Grunde das ganze Hundepaket zwischen Napf, Nervenkostüm und Zahnstein.
Ihr Grundsatz ist angenehm unspektakulär: vernünftig füttern. Nicht ideologisch, nicht auf Grundlage von Influencern. Wie bei uns auch geht es um Verstand, Ausgewogenheit und darum, was Lebensmittel im Körper auslösen. Nur mit einem Unterschied: „Der Hund kann nicht selbst entscheiden, was er isst“, sagt Sabrina.
Der Hund ist weder Mensch auf vier Beinen noch Wolf im Wohnzimmer. Er verwertet tierische Proteine effizient, hat sich über Jahrtausende aber auch an den Menschen angepasst und kann Kohlenhydrate deutlich besser aufspalten als seine Vorfahren. Für Sabrina gehört deshalb nicht nur Fleisch in eine gute Mahlzeit, sondern auch eine passende Basis wie Kartoffeln, Reis oder Hirse, dazu Gemüse und wenig künstlicher Firlefanz.
Ebenso wichtig ist der Küchenboden-Check: Schokolade, Weintrauben, Rosinen, Knoblauch, Zwiebeln, Lauch, Macadamianüsse oder Xylit sind für Hunde giftig. Bei Fertigfutter sollte Fleisch an erster Stelle stehen, Zucker, Backabfälle und schwammige Angaben wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ eher nicht.
Discounterfutter ist nicht automatisch Gift, aber oft Fast Food im Napf: bequem, verfügbar, aber kein Ersatz für hochwertige, bedarfsgerechte Ernährung. Die eine Wahrheit gibt es trotzdem nicht. Rasse, Alter, Größe, Gesundheit, Allergien, Stress, Bewegung und Alltag fressen immer mit. Ein großer Welpe braucht etwas anderes als ein kastrierter Dackel, ein robuster Junghund etwas anderes als ein sensibler Chihuahua.
Auch Supplements sind kein Superfood. Wer auf angereichertes Fertigfutter noch Pulver, Pasten und Vitamine stapelt, baut keine Wellness-Bowl, sondern verschiebt im Zweifel die Versorgung.
Viele Halter glauben, ihr Hund brauche ständig neue Sorten, kleine Highlights oder selbstverständlich etwas vom Teller. Roulade mit Soße, Wurstzipfel, Vanilleeis, hier ein Stückchen, da ein Restchen. Was nach Zuneigung aussieht, ist für den Hundekörper oft zu fettig, zu salzig, zu gewürzt.
Und auch Hundeeis muss nicht aus der Fabrik kommen. Sabrina verteufelt es nicht, sinnvoller findet sie aber selbstgemachte Alternativen auf der Schleckmatte. Gerade im Sommer gilt: langsam schlecken statt Eisklumpen im Magen.
Und dann sind da noch die Glaubenskriege. Barfen zum Beispiel, also die Fütterung mit rohem Fleisch, Knochen, Innereien und weiteren Bestandteilen, die ein Beutetier nachbauen sollen. Die Idee klingt archaisch überzeugend: Der Hund stammt vom Wolf ab, also frisst er wie ein Wolf. Nur ist der Hund eben kein Wolf. Und Wölfe bauen sich in der Natur auch keinen hygienisch portionierten Beutetier-Baukasten aus Muskelfleisch, Pansen, Knochen und Öl. Manches bleibt liegen, manches wird gefressen, vieles hängt von Hunger, Beute und Lebensraum ab.
Barfen kann funktionieren, wenn es fachlich sauber berechnet ist. Nicht aber, wenn Ernährungsphysiologie zur Meinung wird und selbsternannte Hunde-Gurus sich auf Kosten der Hundegesundheit die Taschen voll machen. Natürlich braucht es veterinärmedizinisches Wissen darüber, was ein Hundekörper braucht. Aber im Kern gilt dasselbe wie beim eigenen Essen: hinschauen, was drin ist, nicht jedem Trend hinterherlaufen und den Körper ernst nehmen.