Acht naturnahe Vorgärten wurden für Artenvielfalt, Klimaschutz und kreative Gestaltung ausgezeichnet.
Mehr Vielfalt statt Schotter: Die Stadt Marl hat die Gewinnerinnen und Gewinner des Vorgartenwettbewerbs „Naturnah vor der Haustür“ ausgezeichnet. Insgesamt 18 Gartenvorschläge wurden eingereicht und gezeigt, wie Vorgärten zugleich schön, klimaangepasst und wertvoll für Tiere und Pflanzen sein können. Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Thomas Terhorst wurden Preisgelder in Höhe von insgesamt 2.000 Euro vergeben.
„Alle eingereichten Vorgärten beeindruckten durch ihre individuellen und naturnahen Gestaltungsideen. Statt gleichförmiger und häufig sehr steriler Anlagen standen hier Vielfalt, Natürlichkeit und eine abwechslungsreiche Bepflanzung im Mittelpunkt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer machen vor, wie viel Natur in einem Vorgarten stecken kann. Sie schaffen Lebensraum für Tiere, verbessern das lokale Klima und setzen ein sichtbares Zeichen für ein grüneres Marl. Dieses Engagement verdient Anerkennung und Nachahmung“, so Thomas Terhorst bei der Siegerehrung.
Natürliche Materialien
Man sehe, dass sich Artenvielfalt, Klimaschutz und eine attraktive Gestaltung direkt vor der eigenen Haustür verbinden lassen und für ein attraktives Wohnumfeld sorgen. Denn unterschiedliche Stauden, Gräser, Kräuter und Blühpflanzen sorgten für Struktur und Farbe und schafften zugleich wertvolle Nahrungs- und Rückzugsangebote für Insekten und andere Tiere. Auch natürliche Materialien spielten eine große Rolle. So wurden beispielsweise Natursteine bewusst als gestalterisches Element eingesetzt und nicht lediglich als Begrenzung von Beeten und Flächen.
Farbenfroh mit Feenhaus
Aus der Vielzahl der gelungenen Beiträge hoben sich acht Vorgärten bei der Bewertung besonders hervor und wurden mit einem Preisgeld ausgezeichnet. Den ersten Platz und 600 Euro Preisgeld erhält Nadja Honisch. Ihr besonders vielfältig und verspielt gestalteter Vorgarten überzeugt mit farbenfrohen Blumen, Stauden und Gräsern sowie einem Feenhaus, das in einen Baum integriert ist. Wo zuvor vor allem Efeu wuchs, finden heute unter anderem Blutweiderich, Wiesenmargarite, Thymian, Frauenmantel, Großer Wiesenknopf und Küchenschelle Platz.
Viehtränke jetzt Vogeltränke
Über den zweiten Platz und 450 Euro freuen sich Anna und Jens Otto. Mehrere Stieleichen geben ihrem Vorgarten Struktur, Schatten und Nistmöglichkeiten für Vögel. Totholz und Eichenspaltpfähle bieten Insekten Lebensraum, eine ehemalige Viehtränke dient nun als Vogeltränke. Wiesenpflanzen und Kräuter wie Natternkopf, Schlüsselblume, Waldmeister und Wegwarte ergänzen die naturnahe Gestaltung.
Farbige Akzente
Den dritten Platz, verbunden mit 350 Euro Preisgeld, belegt Wolfgang Schubert. Verschiedene Stauden und Bodendecker sorgen dort für eine blütenreiche, abwechslungsreiche Struktur. Lavendel, Silberdisteln, Frauenmantel, Schafgarbe und Prachtkerzen setzen farbige Akzente.
Geldprämien bis Platz acht
Auch die weiteren ausgezeichneten Vorgärten wurden prämiert: Für den vierten Platz gab es 250 Euro, für den fünften Platz 150 Euro, für den sechsten Platz 100 Euro sowie jeweils 50 Euro für die Plätze sieben und acht. Auf Platz vier kam der Vorgarten von Paul und Andrea Meyer. Er ist klassisch strukturiert gestaltet mit vielen immergrünen Pflanzern, aber auch farbenfrohen Stauden und Sträuchern. Besonders hervorzuheben ist die selbst angelegte Steingartenspirale, ein Vogelhaus, ein Insektenhotel sowie viele Wasserschalen. Platz fünf geht an Anke Dreier und Dr. Olaf Ermisch, in deren Vorgarten bewusst auf hitze- und trockenheitsresistente, heimische Pflanzen und schattenspendende Gehölze gesetzt wurde. Besonders viele Kräuter und Stauden dürfen sich hier frei entwickeln und Raum einnehmen.
Schutz und Lebensraum
Über den sechsten Platz darf sich Nicole Lienemeyer freuen. Ihr Vorgarten wurde von einem tristen Kiesbeet zu einem bunten Blumenmeer umgestaltet. In jeder kleinsten Ritze wurden Pflanzen gesetzt oder haben sich selbst ausgesät, des Weiteren laden gestalterische Elemente wie ein Staketenzaun und eine Bank zum Verweilen ein. Beim siebten Platz handelt es sich um Lena Schellerts Vorgarten, den man als für Insekten wertvolles Staudenparadies bezeichnen kann. Die Bepflanzung wird ergänzt durch Bodendecker, Natursteine sowie ein selbstgebautes Wildbienenhotel, welches den Insekten Schutz und Lebensraum bietet. Auf dem achten Platz liegt Schließlich der Vorgarten von Laura Sparenberg. Dieser ist besonders durch die dichte, stimmige Bepflanzung mit verschiedenen Höhen aufgefallen ist. Im Hintergrund sorgt immergrüner Bambus und Gehölze für Sichtschutz und Struktur, während im Vordergrund heimische Stauden und Frühjahrsblüher ein breites Nahrungsangebot für Insekten bieten.
Jury mit schwieriger Aufgabe
Die Jury mit Erwin und Erika Gebauer vom NABU Marl, Gregor Kampmann (Vorsitzender des Umwelt- und Nachhaltigkeitsausschusses), Bernd Kallenbach (Vorsitzender des Kleingartenvereins „Brinkfortsheide“), Andrea Baudek, Anne Kutscheidt und Kira Volle (vom Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit), hatte bei der Auswahl keine leichte Aufgabe.
Zahlreiche Bewertungspunkte
Bewertet wurden unter anderem eine vielfältige Bepflanzung, Lebensräume für Insekten und andere Tiere sowie Maßnahmen zur Klimaanpassung – etwa schattenspendende Pflanzen und Flächen, auf denen Regenwasser versickern kann. Besonders positiv bewertete die Jury die Umgestaltung früherer Schottergärten, die mit zusätzlichen Punkten honoriert wurde.