Sie schreiben Songs aus Zufallssätzen, spielen außerhalb von musikalischen Schubladen und meinen, was sie sagen: Remember When aus Marl machen einfach ihr Ding.
Manchmal beginnt eine Band mit einer gemeinsamen Vision. Manchmal mit einem digitalen Missverständnis. Dominik hatte Bock auf Band, schrieb Jona über ein Bandportal an – und wurde erstmal ein Jahr ignoriert. Nicht mit Absicht, die Nachricht ploppte einfach absurd spät auf. Zu dem Zeitpunkt hatten Jona und Benedikt sowieso schon überlegt, gemeinsam Musik zu machen. Bass konnte Jona da noch nicht. Also hat er’s gelernt. Problem gelöst.
Die Mischung macht’s
Ein Treffen im Proberaum später war klar: Das passt. Seit 2023 gibt es Remember When. Dominik an der Gitarre, Benedikt am Schlagzeug, Jona am Bass. Singen tun sie alle. Mal clean, mal rau, mal mit ordentlich Druck. „Wir mischen unsere Stile, das macht’s spannend“, grinst Dominik. Musikalisch geht’s meistens schnell und laut zur Sache. Aber nicht nur, denn manchmal wird’s auch ruhiger und fast schon melancholisch. Festlegen? Keine Lust. „Wenn wir Spaß dran haben, machen wir’s.“ Klingt simpel – ist aber Programm, auch beim Covern. „Wenn wir Bock auf einen Song haben, wollen wir nicht Angst haben, dass er nicht in unser Genre passt, sondern ihn einfach spielen.“, meint Jona.
Entstehen tut viel im Proberaum. Meist bringt Jona die Texte, der nächste ein Riff, dann wird geschraubt, verworfen, neu gebaut. Inhaltlich ist alles drin. Persönliches, Politisches – und kompletter Quatsch. Ein beiläufiger Spruch in der Probe? Kann schon mal zum Song werden. So entstand auch „Oben wird gefickt“, eine ziemlich ehrliche Abrechnung mit nervigen Nachbarn. Jeder erzählt darin seine eigene Geschichte. Bier kommt übrigens auch mal vor.
Politisch sind sie klar positioniert, ohne Vorschlaghammer, dafür aber mit Haltung. Menschenrechte, gegen Rassismus – Common Sense eben. „Seit wann ist Punk unpolitisch?“, sagt Jona. Für Remember When gehört das zusammen. Wer damit ein Problem hat, ist vermutlich eh nicht das Zielpublikum.
Und weiter geht’s
Einer ihrer besten Abende? Ausgerechnet ein Gig, bei dem kaum noch jemand da war. Stromausfall, Polizeieinsatz, Publikum weg. Geblieben sind zwei Bands, ein paar Leute an der Bar und eine Stimmung, die besser kaum sein konnte. Kein Druck, keine Erwartung. Einfach spielen. „Proberaum plus“, nennt das Benedikt. Über den Sparkassen-Clubraum kamen neue Kontakte und weitere Auftritte zustande. Veröffentlicht haben sie bisher noch nichts, aber das soll sich ändern.
Und der Bandname? Der entstand, weil sich Benedikt das Wort „When“ in einem Song nicht merken konnte. Ein großes Blatt mit „WHEN“ drauf, direkt vor ihm auf- gehängt, half übrigens auch nicht. Am Ende blieb: Remember When. Nicht als Nostalgie-Floskel, sondern als Erinnerung an eine absurde Situation, an ein Wort, das einfach nicht hängen bleiben wollte. Und genau das blieb.