Mit Prof. Dr. Frithjof Küpper hat Marl für die kommunale Wärmeplanung einen renommierten Wissenschaftler an Bord, der über umfangreiche internationale Erfahrung in Sachen Klimaschutz verfügt und aus Marl stammt.
Mit dem Start der kommunalen Wärmeplanung will Marl gesetzliche Vorgaben umsetzen und aktiv zur Energiewende beitragen. Unterstützt wird die Verwaltung dabei von Prof. Dr. Frithjof Küpper. Seit Juli begleitet der Wissenschaftler den Prozess im Rahmen einer Teilzeitstelle im Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Denn laut Gebäudeenergiegesetz (GEG) müssen Städte unter 100.000 Einwohnern bis spätestens Mitte 2028 eine kommunale Wärmeplanung vorlegen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine nachhaltige, klimafreundliche und kosteneffiziente Wärmeversorgung realisiert werden kann. „2045 muss Marl klimaneutral wirtschaften. Dafür brauchen wir heute den Überblick, wo wir stehen und welche Potenziale es gibt“, erklärt Vivien Wiers, Leiterin des Amtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit.
Internationaler Experte mit Heimatbezug
Dass die Wahl auf Prof. Küpper fiel, ist kein Zufall: Geboren und aufgewachsen in Marl, hat Küpper nach seinem Abitur in Marl Biologie in Konstanz und Paris studiert, später promoviert und unter anderem in Kalifornien und Schottland gearbeitet. Seit 2011 leitet er den Lehrstuhl für Marine Biodiversität an der Universität Aberdeen. Seine wissenschaftliche Expertise reicht von Ökosystemen in Polarregionen bis hin zu Fragen der Meerwasserentsalzung im
Nahen Osten. Diese Erfahrung bringt er nun zurück in seine Heimatstadt. „Ich freue mich, in Marl mitwirken zu können. Klimaschutz ist ein integratives Ziel – und dafür setze ich mich ein“, so Küpper.
Klimaschutz praxisnah denken
Die kommunale Wärmeplanung umfasst strategische Überlegungen: Welche Energieformen sind zukunftsfähig? Wo lassen sich Stadtgebiete an Fernwärmenetze anschließen? Welche Rolle spielt Geothermie? Und wie können Eigentümer individuell unterstützt werden? „Es geht nicht nur um Zahlen. Es geht um Menschen, Lebensqualität und darum, wie wir die Wärmeversorgung von morgen gestalten“, sagt die Technische Dezernentin Andrea Baudek. Prof. Küpper wird den Aufbau der kommunalen Wärmeplanung auch in Vorträgen begleiten und Bürgerfragen beantworten.
„Klimaschutz betrifft alle Lebensbereiche. Deshalb ist es wichtig, die Menschen mitzunehmen“, betont er. Die Wärmewende gelinge nur, wenn die Bürger mitgenommen werden. Küpper bringt nicht nur naturwissenschaftliches Know-how mit, sondern auch ein breites Netzwerk. Ob Kontakte zur Technischen Universität Köln, zu Energieversorgern, zur EGLV oder zur Hochschule – all das soll in den Prozess einfließen. „Es wird kein Einheitsweg sein. Vielmehr müssen wir für jedes Quartier, jedes Gebäude individuelle Lösungen finden – ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich tragbar“, so Baudek.
Marl setzt bei der Umsetzung auf die Unterstützung der Innovation City Management GmbH (ICM) aus Bottrop. Das Unternehmen analysiert Potenziale zur Effizienzsteigerung und entwickelt auf Basis der Daten Handlungsempfehlungen. Die Ergebnisse sollen nicht nur Planungsgrundlage für Verwaltung und Energieversorger sein, sondern auch Orientierung etwa für Hauseigentümer oder Unternehmen.