Als in Marl in den 1950er-Jahren über die Zukunft der jungen Stadt gestritten wurde, war es ein unbekannter Architekt, der vieles in Bewegung brachte: Günther Marschall.
Während viele sich ein klassisch westfälisches Stadtbild wünschten, dachte Marschall weiter. Moderner, mutiger, offener. Bürgermeister Rudi Heiland erkannte das Potenzial, stoppte 1953 kurzerhand laufende Pläne und setzte stattdessen auf Marschalls Ideen. Elf Jahre lang prägte der zurückhaltende Architekt als freiberuflicher Stadtplaner das Marl der Nachkriegsjahre – von Wohnanlagen über Kulturorte bis hin zu städtebaulichen Visionen. Eines seiner letzten Projekte war die Volksschule an der Kampstraße, fertiggestellt 1966: eine Pavillonschule, lichte Architektur, klare Linien, Innenhöfe – damals ungewohnt, heute denkmalgeschützt.
60 Jahre später beginnt diese Schule ein neues Kapitel. Wo früher Tafeln hingen, entstehen Räume für Kunst, Kultur, Bibliothek, Musikschule und VHS-Angebote. Marschall66 – benannt zu Ehren des Mannes, der das Stadtbild Marls so entscheidend geprägt hat. Das Projekt soll ein Ort der Begegnung werden und die Mitte Marls neu beleben. Die Bauarbeiten liegen im Zeitplan, erste Räume nehmen Gestalt an. Und auch das Ziel bleibt deutlich: ein lebendiger „Dritter Ort“ für Marl. „Jetzt liegt es an uns als Stadtgesellschaft, diesen Ort mit Leben zu füllen“, sagt Bürgermeister Thomas Terhorst. Ein Satz, der vermutlich auch Günther Marschall gefallen hätte.